Historischer Verein Bad Aibling und Umgebung e.V.

11.06.2026

Arbeits- und Situationsbericht Museum

Liebe Mitglieder,

heute möchten wir Sie über den Stand der Neugestaltung unserer Ausstellung zur Geschichte der Stadt und des Raumes Mangfalltal informieren. Der Historische Verein hat die Aufgabe, die Geschichte unserer Stadt und des Raumes Mangfalltal zu bewahren, zu erhalten und zu erzählen. Mittelpunkt dieser Aufgabe ist unser Museum mit dem sehr sorgfältig organisierten Archiv. Die neue Ausstellung macht es sich zur Aufgabe, die Besucher*innen auf eine Reise von den Anfängen des Raumes Mangfalltal bis in unsere Zeit mitzunehmen.

Die Ausstellungsräume im 1. Stock des Museums wurden bereits von der Restauratorfirma Scheuch sorgfältig überarbeitet und teilweise neu zusammengestellt. Bereits in früheren Jahren wurde die Wilhelm-Leibl-Stube, ein Glanzstück unseres Museums, sorgfältig so zusammengestellt, dass sie möglichst genau dem Original in Kutterling bei Bad Feilnbach entspricht. Doch der 1. Stock des Museums bietet weitere Höhepunkte. Besonders hervorzuheben ist der Raum mit sehr schönen, sakralen Exponaten zum kirchlichen Leben. Der Altar ist von dem Kistlermeister Balthasar Fröhl 1801-1889) von Feilnbach. Er fertigte auch den weißen Schrank im 1. Stock mit nur 22 Jahren. Er ist etwas Besonderes, da er ihn im jugendlichen Alter fertigte und von ihm nur noch zwei Exemplare erhalten sind.

Mehrere Fatschenkinder, besonders im heimatlichen Raum verbreitete Darstellungen des Jesuskindes, gelten als ein traditionelles Andachtsbild des neugeborenen Jesuskindes. Darüber hinaus sind wertvolle geschnitzte Heiligenfiguren sowie Zeugnisse zur Wahlfahrt in Tuntenhausen zu sehen. Die Themenräume zum bäuerlichen und bürgerlichen Leben im 19. Jahrhundert vermitteln ein eindrückliches Gefühl für die jeweiligen Lebenswelten.

Eine im Original erhaltene und durch unsere Restauratoren kunstvoll ergänzte Kassettendecke aus der Renaissancezeit bezeugt den Wohlstand einer Familie, die über fast 200 Jahre wesentlich für die wirtschaftliche und finanzielle Situation des Raumes verantwortlich war: die Familie Hafner. Das sog. Marbach-Zimmer geht auf das Wirte-, Zollner- und Umgeltergeschlecht der Familie Hafner zurück. Ab 1520 ist ihr Name urkundlich als Vagener Tafernwirt und Umgelter für fünf Pfarreien und die Zollstelle an der Feldollinger Brücke belegt. Der letzte mögliche männliche Erbe in Vagen Franz Joseph Hafner (1702-1744) wurde Wirt in Marbach. Das Amt des Umgelters (auch Ungelder, Ungeldner oder Ungeldeinnehmer) war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ein wichtiges Amt, verbunden mit einer zentralen Aufgabe. Als städtischer oder landesherrlicher Beamter war er mit der Erhebung der Verbrauchssteuer, dem sog. „Ungeld“ oder „Umgeld“ betraut. Dies war eine bedeutende indirekte Steuereinnahme für die Städte und Märkte. Sie wurde primär auf Waren wie Wein, Bier, Met und andere Getränke sowie teilweise auf Getreide und Fleisch erhoben. Entsprechend groß war der Einfluss der Amtsinhaber, die selbstständig im Auftrag des Magistrats oder des Landesherrn derartige Steuern erheben konnten. Die Familienerbstücke (Gemälde, Möbel, Schmuck, Silbergeschirr) wurden um 1730 nach Marbach transferiert. Die Hafners waren eine wohlhabende Wirtsfamilie, die sich ein eigenes Wappen gab und es sich leistete, ihre herausgehobenen Familienmitglieder porträtieren zu lassen. Die Bilder, die Renaissance-Decke, der Renaissance-Schrank, die Eingangstüre und das Familienwappen konnten 1906 vom Historischen Verein nach jahrelangen Verhandlungen für die damals stolze Summe von 1.000 Mark erworben werden.

Sie sind Zeugnis der in der frühen Neuzeit sich entwickelnden Verwaltungsstrukturen des Raumes. Die rechtliche und politische Entwicklung von Ort und Raum, bürgerliche und ländliche Lebensräume sowie sakrale Exponate erzählen von Anfängen im geschichtlichen Raum und den Lebensräumen der vorangegangenen Generationen. Da fehlen noch größtenteils Texte, die die Besucher*innen auf dieser Reise begleiten sollen. Diese Arbeit steht noch an.



Christoph Hafner mit 85 Jahren im Jahr 1700, Tafernwirt in Marbach 








 

                                                         

                                                                                                             Wappen der Marbacher Hafner,
                                                                                                             noch nicht restauriert


Die Portraits der Familie sind dringend restaurierungsbedürftig. Drei Bilder konnten in Auftrag gegeben werden. Da die Arbeiten sehr aufwendig sind, können wegen der Kosten nur immer einzelne Bilder in Auftrag gegeben werden.

Neu gestaltet werden soll die Ausstellung der Geschichte des Raumes Mangfalltal im Erdgeschoss. Auch dazu gibt es bereits umfangreiche Vorarbeiten. Da ist einmal die inhaltliche Planung, die als ausführliches Grobkonzept vorliegt. Grundlage der inhaltlichen Ausgestaltung sind unsere Exponate. Da wurden wertvolle Bilder, Uhren, Zunfttruhen zu allen Gewerben der Stadt zusammengetragen und viele bereits restauriert.

 

Archivleiter Manfred Schaulies bei der Arbeit.












                                                                                                 Unsere Restaurateurin Frau Scheuch bei der Arbeit.




Der Bauhof hat diese wunderbaren Boxen nach Planungen unserer Restauratoren gebaut. Inzwischen sind unsere Bilder fotografisch dokumentiert, in die Boxen einsortiert und von uns ist ein Verzeichnis angelegt worden. 



   



                                                                                                        Erstrahlt bereits in „altem“Glanz:                                                                                                                          Der alte Bacher von Sepp Hilz 





Der Verein besitzt eine größere Anzahl wertvoller historischer Uhren. Einige davon sind nun bereits restauriert. Sie sollen, evtl. zeitlich beschrieben, in die einzelnen Museumsräume eingebunden werden.Hier eine kleine Auswahl. 


Wiener Kaminuhr mit wertvoller Holzschnitzerei, um 1850




                                                                                               

                                                                                                                          Englisches Standarduhrwerk, etwa 1750




Schwarze Lackschilduhr mit Viertelschlag, ca. 1830, noch nicht restauriert 



Ein großer Schatz an Exponaten sind die breits restaurierten Zunfttruhen und Zunftzeichen zu allen wichtigen Gewerben der Stadt und des ehemaligen Landgerichts Aibling im 19. Jahrhundert. Die Truhen hatten schon das „Vieraugenprinzip“. Sie waren mit zwei Schlössern versehen, so dass kein Einzelner die Truhe öffnen konnte. Sie enthielt nicht nur die Namen der Mitglieder der jeweiligen Zunft, sondern auch Unterlagen zu Verträgen, Streitigkeiten oder den Rechten der Mitglieder und das Zunftvermögen.




Truhe der Bierbrauer


Als nächstes stehen bauliche Schritte an. Die Toiletten müssen behindertengerecht erneuert werden. Eine museale Wandheizung soll für ein gleichmäßiges Raumklima sorgen, das derzeit nicht gewährleistet ist. Diese Aufgaben werden von der Stadt als Eigentümerin des Gebäudes übernommen. Parallel dazu erfolgt eine Überprüfung unserer Ausstellungsstücke dahingehend, ob sie in der neuen Ausstellung auch ihren Platz finden werden. Damit hängt eng zusammen die Frage nach unserem Depot. Wir haben die Möglichkeit, einiges in unserem Depot in der Fliegerhalle unterzubringen. Das kann aber wegen der räumlichen Unzulänglichkeiten dort nur eine Zwischenlösung sein.

Neben den inhaltlichen Planungen arbeiten wir Zug um Zug an der konkreten Umsetzung unserer Planungen. Das alles geschieht ehrenamtlich, also umsonst. Die Gestaltung der Ausstellung selbst kostet aber Geld. Ein geschulter Museumsberater hat die Aufgabe, unsere Exponate in eine moderne, ansprechende und einheitliche Fassung zu bringen, Gestaltungsmöglichkeiten vorzulegen und Aufträge für die konkrete Umsetzung in Angriff zu nehmen. Das kostet allerdings Geld, erhebliche finanzielle Mittel, über die wir nicht verfügen. Wir sind nach wie vor im Austausch mit Leader, einem regionalen Kulturförderprogramm. Hilfen gab es auch von den nichtstaatlichen Museen.

Finanzielle Hilfen für die Restaurierung unserer Exponate sind größtenteils erfolglos geblieben. Da kommt sicher auch dazu, dass die Anfragen an entsprechende Institutionen und Stiftungen enorm zugenommen haben. Das ist nicht zuletzt eine Folge der Finanzmisere der Städte und Gemeinden. Für die Restaurierung der künftig in Umgestaltung einzubindenden Exponate hat der Verein bereits ca. 15.000,00 Euro aus Vereinsmitteln aufgewendet. Der Verein ist daher für jede kleine oder größere finanzielle Unterstützung, die zur Umsetzung des Museumskonzepts beiträgt, dankbar. Auch Hinweise auf eventuelle Sponsoren werden dankbar entgegengenommen.

Das ist der derzeitige Stand unserer Bemühungen um eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt und des Raumes Mangfalltal. Wenn Sie mehr wissen möchten, laden wir Sie sehr gerne auf einen Besuch in unser Museum ein!

Last but not least etwas Erfreuliches: Das Museum kann nach intensiver und erfolgreicher Suche nach ehrenamtlichen Mitarbeitern ab Anfang Juli wieder am Sonntag von 14.00 bis 17.00 Uhr mit jeweils zwei Personen Museumsdienst geöffnet werden!


30. Januar 2026

Bad Aibling im Nationalsozialismus  
Ein Abend im Rahmen der Max-Mannheimer-Kulturtage 2026

Schon im Vorfeld zeigte sich anhand der zahlreichen Reservierungen ein sehr großes Interesse an der Veranstaltung „Bad Aibling im Nationalsozialismus“. Der Gemeindesaal der Evangelischen Kirche in Bad Aibling war bis auf den letzten Platz besetzt. Begrüßt wurden die Gäste von Irene Durukan (Mut und Courage), Felix Schwaller (Historischer Verein Bad Aibling und Umgebung) sowie Michael Beer für die Max Mannheimer Kulturtage. Der Historische Verein konnte an diesem Abend Band 25 der heimatkundlichen Zeitschrift „Der Mangfallgau“ vorstellen. Die Gesamtleitung, die Gestaltung des Layouts und die Zusammenstellung der Artikel leitete wiederum Manfred Schaulies. Der Band kann im Heimatmuseum an den Öffnungstagen des Archivs (Montag, Dienstag 10.00-12.00, 13.00-16.00) erworben werden, für Mitglieder des Vereins ist er umsonst.

Im Mittelpunkt des Abends standen zwei Themen, die exemplarisch zeigen, wie Nationalsozialismus auf kommunaler Ebene wirkte – und welche konkreten Schicksale sich dahinter verbergen. Alfred Breisl konnte krankheitsbedingt nicht an dem Abend teilnehmen, so dass Anneliese Wittkowski die Vorstellung der Person des Bürgermeisters Alfred Bastianelli übernahm. Michael Beer erklärte sich dankenswerter Weise bereit, ausgewählte Texte vorzutragen. August Bastianelli, geboren 1892, verbrachte seine Jugend in Rosenheim und lebte seit 1921 in Bad Aibling. Geprägt von der Enttäuschung über den verlorenen Ersten Weltkrieg, nationalem Elend und dem Gefühl, dass „die kleinen Leute“ zu den Verlierern gehörten, trat er 1929 der NSDAP bei und engagierte sich von Anfang an sehr aktiv in der Ortsgruppe der Partei. Am 1. Januar 1936 wurde er zunächst kommissarisch, dann ab 1938 offiziell Bürgermeister der Stadt – ein Amt, das er bis zum Kriegsende innehatte.

Anneliese Wittkowski war es ein Anliegen, der Frage nachzugehen, warum Bastianelli, sehr gut ausgebildet und als Mitarbeiter der Sparkasse Bad Aibling ab 1924 bestens mit den Sorgen und Nöten der sog. einfachen Leute vertraut, gleichzeitig ein äußerst engagierter und überzeugter Nationalsozialist wurde, der auch nicht vor rigorosen Methoden gegenüber Andersdenkenden sowie entwürdigenden Maßnahmen zurückschreckte. Um kommunale, soziale und wirtschaftliche Belange kümmerte er sich als Bürgermeister intensiv und versuchte die Stadt zumindest organisatorisch über die schwierigen Kriegsjahre zu führen. Gleichzeit wiederholte er stetig Parolen der Nationalsozialisten, ließ politische Gegner inhaftieren und ins KZ-Dachau überstellen. Auf der Grundlage der Ergebnisse von Alfred Breisl konnten die Aussagen zu Bastianelli mit Bildern der Zeit unterlegt werden.

Besonders eindringlich zeigt die von Anneliese Wittkowski sehr sorgfältig recherchierte Haarschneideaktion vom November 1940 den Bürgermeister als fanatischen Vertreter des Systems. Vor 600 bis 800 Zuschauerinnen und Zuschauern wurden auf dem Marienplatz zunächst zwei Frauen, die eine Beziehung französischen Kriegsgefangenen hatten, öffentlich gedemütigt, indem ihnen die Haare geschoren wurden. Angestachelt durch die aufgeregte Menge eskalierte die Situation für die Frauen nochmals, indem sie von der Menge, aufgefordert von Bastianelli, angespuckt und mit Dreck beworfen wurden. Betroffen war auch die 17jährige Nichte einer der Frauen, deren „Verbrechen“ es war, von der Situation gewusst zu haben. Bastianelli verfügte, dass auch ihr diese öffentliche Demütigung angetan werden sollte. Die Frauen wurde zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, die Nichte zu 8 Monaten. Nach Kriegsende zeigte Bastianelli keinerlei Schuldbewusstsein. In den Gerichtsverfahren, das die Frauen 1948 angestrengt hatten, stellte er sich als jemand dar, der stets an „gute Ziele“ geglaubt habe und behauptete, durch sein Verbleiben im Amt Schlimmeres verhindert zu haben. Der Nachruf nach seinem Tod im Jahr 1972 zeichnete ein stark geschöntes Bild und blendete seine Verantwortung weitgehend aus.

Im Mittelpunkt des zweiten Teils des Abends stand das Schicksal der jüdischen, aus Polen stammenden Familie Spatz, die seit 1920 in Bad Aibling lebte. Die Familie trat im öffentlichen Leben der Stadt nicht in Erscheinung. Sie war stets darum bemüht, nicht aufzufallen. Der Vater starb im April 1938 in Bad Aibling. Er wurde im israelitischen Friedhof in München begraben, weil dies in Aibling nicht möglich war. Sohn Heinrich ging nach Abschluss der Schule zur Ausbildung nach München. Er war in verschiedenen Bereichen beruflich tätig, meist als Handlungsreisender. 1935 wurde er nach Polen ausgewiesen, eingestuft als „politisch“. Die Gründe dafür sind nicht leicht nachzuvollziehen. Man wollte ihn als Juden und polnischen Staatsbürger einfach loswerden, obwohl ihm sogar amtlich attestiert wurde, dass es dafür keine ausreichenden Gründe gebe. Sein weiteres Schicksal ist weitgehend nicht nachvollziehbar. Es ist aufgrund von Hinweisen aber durchaus möglich, dass er, sicher gezwungenermaßen als Soldat in der deutschen Wehrmacht 1943 in Russland gefallen ist. 

1938 wurde Rosa Spatz nach 18 Jahren im Zuge der sog. Polenaktion aus Bad Aibling ausgewiesen. Dieses Schicksal traf sie gemeinsam mit ihrer Tochter Regina, die bereits seit 1930 in München wohnte und hier ihre Ausbildung absolvierte. Regina Spatz war hochschwanger und sollte ihrem zukünftigen Mann Leon Blechner nach New York folgen. Rosa Spatz wurde auf Anweisung von Bastianelli aus ihrer Wohnung abgeholt und in die JVA München zur Ausweisung nach Polen gebracht. Dort traf sie auf ihre Tochter. Beide wurden überraschend am nächsten Tag freigelassen. Ein Grund war vielleicht die hochschwangere, bereits von Wehen geplagte Regina. Wie die beiden Frauen in München überlebten und wer sie unterstützte, werden wir nicht mehr erfahren. Rosa Spatz folgte ihrem Sohn Heinrich im August 1939 nach Polen. Da verliert sich ihre Spur. Es ist sehr gut möglich, dass sie ein Opfer der Shoa wurde, aber das ist letztlich auch nach umfangreichen Recherchen nicht belegbar. Regina Spatz gelang es noch im November 1939 mit Sohn Gerry nach New York auszuwandern und ihren Partner Leon Blechner zu heiraten. Sie starb 1979.

Besonders bewegend war die Rückmeldung der heute in Amerika lebenden Nachkommen: Sie zeigten sich tief berührt davon, dass das Schicksal ihrer Familie in Bad Aibling recherchiert, erzählt und nicht vergessen wird. Alle Bilder der Familie stammen von Antony Blechner, dem Neffen von Regina Spatz-Blechner, der sie bereitwillig zur Verfügung gestellt hat.

Der Abend machte deutlich, dass Nationalsozialismus nicht nur eine abstrakte historische Epoche war, sondern sich ganz konkret in einer Stadt, in Ämtern, auf öffentlichen Plätzen und in zerstörten Lebensläufen manifestierte. Die intensive Beschäftigung mit diesen Geschichten ist ein zentraler Bestandteil der Max Mannheimer Kulturtage – und ein wichtiger Beitrag zu einer lebendigen Erinnerungskultur: Erinnern heißt Verantwortung übernehmen.

 

Familie Spatz, ca. 1921/22, Aufnahme in Aibling

 

                                                                                                                               Familie Spatz, ca. 1934

22. Dezember 2025

Das Jahr 2025 geht zu Ende!

Liebe Mitglieder,

unsere Veranstaltung „Advent im Heimatmuseum“ am 07. Dezember 2025 war traditionell die letzte in diesem Jahr.
In der voll besetzten Wilhelm-Leibl-Stube wollten wir mit lustigen, schrägen, aber auch kritischen und
besinnlichen Texten zu Ruhe und Nachdenklichkeit anregen.




Das gelang besonders durch die musikalische
Umrahmung mit passenden kleinen Geschichten.  Angela Zangenfeind und ihren Musikern sei hiermit herzlich gedankt,
ebenso Klaus Huber für die lebendige Vorstellung der Texte.
Erich Bayer stellte den Kontakt zu den Musikern her.

Sehr gut angenommen wurde wiederum in diesem Jahr unsere Fahrt im Mai zur Bayerischen Landesausstellung in Regensburg, in der Ludwig I. im Mittelpunkt stand. Der Besuch der Walhalla ist allen sicher noch in Erinnerung.
Lohnenswert war ebenso die Besichtigung der Ausstellung „Salz und Moor“ im ehemaligen Brunnenhaus Klaushäusl bei Grassau.
Die Bedeutung sowie die Bedrohung des Lebensraumes Hochmoor wurde
uns eindringlich vor Augen geführt. In dem netten Café des Museums war noch Gelegenheit zu einem vergnügten Gedankenaustausch.

Die Fahrt zum Bedaium nach Seebruck mit der Ausstellung zu den Römern in Bayern musste wegen geringer Beteiligung abgesagt werden, ebenso das Stadtradeln unter Leitung von unserem 1. Vorstand Felix Schwaller.
Beide Veranstaltungen werden im nächsten Jahr wieder angeboten, weil wir Ihnen
sowohl die Geschichte der Römer in unserer Gegend nahebringen als auch mit dem Stadtradeln einen Beitrag zu unserer körperlichen Gesundheit leisten wollen.

Anneliese Wittkowski
2. Vorsitzende

17. Mai 2025, Jahresfahrt nach Regensburg

Was macht einen König „groß“?

Der kritische Blick auf einen Monarchen, der bereits zu seinen Lebzeiten nicht unumstritten war, durchzieht die Landesausstellung 2025, präsentiert wiederum im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg. „Als umsichtiger Reformer, als visionärer Bauherr und als Förderer der Künste hat Ludwig I. unser Land nachhaltig geprägt“, so Staatsminister Blume im Vorwort des Katalogs und er stellt zurecht die Frage, ob Ludwig I. ungeachtet seiner Verdienste als Bayerns größter König bezeichnet werden könne.     

Der Besuch der Landesausstellungen hat in unserem Verein eine lange Tradition. Gerade erst eröffnet, war die Fahrt nach Regensburg gleich am Samstag, 17. Mai 2025 geplant. Zwar ist die Anfahrt mit gut zwei Stunden doch etwas länger, aber lohnenswert ist der Besuch der Stadt Regensburg immer. Die alte Römerbrücke, mittelalterliches Erbe, moderne Architektur und der Blick auf die Donau begleiten uns an diesem überwiegend sonnigen Tag.     

Nein, es ist nicht der Märchenkönig, der hier im Mittelpunkt steht! Ludwig I. war sein Großvater. In München ist er wie kein anderer Herrscher präsent, denn für den Ausbau der bayerischen Landeshauptstadt im 19. Jahrhundert ist er verantwortlich. Nach ihm benannt ist die Ludwigsstraße, heute noch ein Prunkstück für jeden Besucher. Mit der Feldherrnhalle, dem Triumphbogen, dem Ausbau der Ludwig-Maximilians-Universität und ihre Verlegung von Landshut nach München, dem Königsplatz, der Glyptothek mit Antikensammlung oder mit den Pinakotheken – damit schuf Ludwig bis heute prägende Elemente der Residenzstadt München und Anziehungspunkte für Besucher*innen aus aller Welt. Die Zusammenführung der bayerischen Landesteile, sichtbar im neugestalteten bayerischen Wappen, die Einführung des „y“ im Bayerischen statt dem bis dahin üblichen „i“ gehen auch auf sein Konto. Der Ausbau der Eisenbahnlinien sowie des Ludwig-Donau-Main-Kanals, der allerdings keine Erfolgsgeschichte wurde, müssen ebenfalls genannt werden. Und schließlich das Oktoberfest!  Seine Hochzeit mit Therese von Sachsen-Hildburghausen wurde in einem öffentlichen Fest mit einem Pferderennen gefeiert. Daraus ging das Oktoberfest hervor, das heute noch auf der Theresienwiese, benannt nach Ludwigs Frau, stattfindet.     

Dennoch stießen seine Vorhaben nicht auf ungeteilte Begeisterung. Blockierten doch die hohen Kosten für meist repräsentative Bauten notwendige Ausgaben im sozialen und infrastrukturellen Bereich. Hohe Sterblichkeit, verschmutztes Trinkwasser, unzulängliche Abfallbeseitigung, zu wenig Schulen sowie eine fehlende Anbindung ländlicher Gebiete – das waren Themen, die Ludwig kaum interessierten.     
Da verwundert es nicht, dass sich seine Beliebtheit bei den Untertanen in Grenzen hielt. War er „ein selbstherrlicher und starrer Konservativer“, „unfähige zur Reflexion und Selbstkritik“, „ein Kunstkönig“, „unfähig zur Reflexikon und Selbstkritik“, „unberechenbar“, „zu amourösen Abenteuern“ neigend? Die Historikerin Marita Kraus führt eine lange Liste an Urteilen über seine Person in ihrem Aufsatz im Katalog zur Ausstellung an. So zeigt diese einen Monarchen, der sowohl zielstrebig und interessiert an Neuerungen war, gleichzeitig aber verhaftet in der Vergangenheit wirken und erziehen wollte. Persönlich war er wohl ein schwieriger Mensch und autoritär in seinem Herrschaftsverständnis. Er galt als aufbrausend und unberechenbar, gleichzeitig als begeisterungsfähig und leidenschaftlich. Seine Hingabe für das weibliche Geschlecht brachten der Nachwelt nicht nur die berühmte Schönheitsgalerie, im Schloss Nymphenburg zu besichtigen. Seine zahlreichen Liebschaften und Abenteuer waren schon zu seinen Lebzeiten legendär. Dennoch hat er mit seiner Frau Therese 9 Kinder! Eine Leidenschaft kostete ihm schließlich den Thron, auf den er im Zuge der revolutionären Bewegung 1848 sehr unwillig verzichten musste. Seine Geliebte Lola Montez, die mit ihrer Reitpeitsche durch die Straßen Münchens zog, brachte das Fass mit ihrer herrischen Art zum Überlaufen. Die ungelösten sozialen Probleme lieferten aber sicher den Grundstock dafür, dass Ludwig seine Königskrone verlor.     

Leider unterlief der Agentur, die für die Organisation der Führungen zuständig ist, ein Planungsfehler, so dass unsere Gruppe zwar im Plan stand, aber kein Führungspersonal eingeteilt worden war. Mithilfe von Audioguides und heimlichem Zuhören bei anderen Führungen konnten wir dennoch viele Eindrücke gewinnen. Dazu trugen auch die treffenden und informativen Texttafeln in dieser nicht überladenen, übersichtlichen Ausstellung bei.     
Nach der Mittagspause kam noch ein überraschend eindringliches Erlebnis mit dem Besuch der Walhalla dazu. Die steilen Stufen von der Bootsanlegestelle zu der hoch über der Donau liegenden Ruhmeshalle wollten wir uns nicht antun. Vom Parkplatz aus führt ein kurzer Weg, leicht ansteigend zur Walhalla.       

Der Blick von oben in das weite Hinterland der Donau ist beeindruckend, fast ein bisschen ergreifend. Wir waren uns einig: Ludwig hat sich für seine Ruhmeshalle einen wunderbaren Ort ausgesucht. Direkt an der Donau gelegen bietet sich dem Besucher ein weiter Blick in die Landschaft. Als Namensgeber fungierte das aus der altnordischen Mythologie bekannte Walhall, Aufenthaltsort und Halle der tapfersten gefallenen germanischen Krieger. Und Helden gibt es da viele zu sehen, wenngleich nicht alle heute noch bekannt sind. 



2003 konnte sich die Bayerische Staatsregierung endlich für eine Frau im Ruhmestempel entschließen. Gleich rechts neben dem Eingang steht die Büste der jungen Frau, die sich mit den Mitgliedern der Weißen Rose so engagiert gegen das Hitlerregime wehrte und es 1943, gerade 22 Jahre alt mit ihrem Leben bezahlte. Eine Gedenktafel erinnert an alle Nazi-Gegner im Widerstand: "In Gedenken an alle, die gegen Unrecht, Gewalt und Terror des 'Dritten Reiches' mutig Widerstand leisteten.“    

Mit vielen Eindrücken ging dieser Tag zu Ende. Herzlichen Dank an alle, die dabei waren!    

 

Bad Aibling, den 23.04.2025 - Mitgliederversammlung 2024/2025

Ein Museum muss eine Geschichte erzählen – der Historische Verein Bad Aibling und Umgebung berichtet von seiner Arbeit

Trotz der drohenden Gewitterfront war der Saal im Paulusheim an der Harthauser Straße recht gut gefüllt, als die Mitgliederversammlung 2024/2025  des Historischen Vereins Bad Aibling und Umgebung e.V. am Mittwoch, 23. April 2025 anstand. 

Nach der Begrüßung durch den 1. Vorstand Felix Schwaller und der Feststellung der satzungsgemäßen Ladung wurde wie jedes Jahr zunächst der Verstorbenen gedacht. Dann erfolgten die Tätigkeitsberichte der jeweils verantwortlichen Vorstandsmitglieder. Felix Schwaller erklärte insbesondere die Probleme bei der finanziellen Absicherung der Neugestaltung des Museums. Im Zentrum seiner Ausführungen stand dabei der Antrag für das europäische Kulturförderprogramm im regionalen Raum LEADER.
Dafür müssten umfangreiche Vorarbeiten geleistet werden. Das inhaltliche Konzept wurde seitens des Vereins bereits vorgelegt. Es läge nun an der Stadt als Trägerin des Antrags die finanziellen Vorgaben vorzulegen. Schatzmeister Michael Liegl wurde nach dem Bericht von Kassenprüferin Inge Scherer gemeinsam mit dem Vorstand einstimmig entlastet. Manfred Schaulies, Archivleiter des Heimatmuseums, verwies auf zahlreiche Anfragen, die er positiv beantworten konnte. Erfolgreich war auch die nun abgeschlossene Restaurierung der wertvollen Zunfttruhen sowie einzelner Bilder und des sehr gut erhaltenen Kummets, gestiftet vor vielen Jahren von der Familie Heiler. Für die Neugestaltung des Handwerkerraumes wurde mit Hilfe fachlicher Beratung eine inhaltliche Festlegung der auszustellenden Exponate wesentlich vorangebracht, so dass im nächsten Schritt die Verwahrung der übrigen Stücke und ihre Lagerung im Depot erfolgen wird.
Bereits im Bericht von Manfred Schaulies wurde deutlich, dass umfangreiche Vorarbeiten für die Neugestaltung des Museums erfolgt sind und weitere anstehen.
Der langjährige Leiter des Heimatmuseums Michael Stratbücker hat sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Da bislang noch kein Nachfolger genannt werden kann, bleibt der Posten zunächst unbesetzt. Schließlich informierte die 2. Vorständin Anneliese Wittkowski über das Konzept der Neugestaltung des Heimatmuseums im Erdgeschoss. Geplant ist die Umbenennung des Museums in „Museum Mangfalltal“ Damit soll dem Raum Rechnung getragen werden, der unsere Heimat im Zusammenklang von Landschaft und Geschichte heute noch sichtbar prägt.
Ein Museum muss eine Geschichte erzählen! Ausgehend von den zahlreichen, wertvollen und besonderen Exponaten, über die der Verein verfügt, steht im Mittelpunkt das Erzählen der Geschichte bzw. der Entwicklung des Raumes Mangfalltal.
Dazu gehört neben der Festlegung der thematischen Schwerpunkte eine genaue Auflistung der einzelnen Exponate und die Formulierung der dazu gehörenden Texttafeln. Da wartet noch viel Arbeit, aber der Weg ist beschritten.
Ein ganz besonderer Dank gilt dabei Manfred Schaulies für die inhaltliche Konzeption sowie Felix Schwaller für die organisatorische und finanzielle fachliche Hilfe.
Schließlich stellte Anneliese Wittkowski die geplanten Veranstaltungen 2025 vor. Das genauere Programm kann auf der Homepage des Vereins eingesehen werden (hv-aibling.de).
Auch Nichtmitglieder sind dabei herzlich willkommen.
Der Vortrag von  Horst Barnikel über Hochwässer im Mangfalltal musste leider wegen Erkrankung des Referenten entfallen.

01. Dezember 2024

Besinnliche Gedanken und schöne Musik!

Der Advent im Heimatmuseum ist traditionell die letzte Veranstaltung des Vereins im Jahr. 2024 war der 01. Dezember auch gleichzeitig der erste Adventssonntag. Noch vier Wochen bis Weihnachten, das bedeutet jedes Jahr gleichermaßen Verheißung und Durchatmen, denn das mit der „staden“ Zeit ist ja, selbst wenn sie noch vor uns liegt, bekanntermaßen so eine Sache. Das gilt zum einen für die persönlichen Angelegenheiten. Welche Geschenke müssen besorgt werden und für wen? Wer soll eine Postkarte mit Weihnachtsgrüßen bekommen? Wer kümmert sich um die Weihnachtsdeko, wer besorgt Adventskranz und Christbaum, oder soll man darauf mal verzichten? Das sind alles so Gedanken, die eine Lösung wollen. Auch in der Welt ist vieles nicht besinnlich. Kriege oder Hungersnöte kümmern sich nicht um Weihnachten. Eine besinnliche Stunde kann da auf keinem Fall schaden. 

Weihnachtliche Texte, gelesen von Anneliese Wittkowski und Margit Bauer, abwechselnd mit Musik von Maria Bichler (Hackbrett), Margit Bauer (Harfe) und Erich Bayer (Dudelsack und Klarinette) bildeten den feierlichen Rahmen dieser Stunde in der Wilhelm-Leibl-Stube im Heimatmuseum.

In den Geschichten war die Rede von Heiterem und Nachdenklichem, von Appellen und Wünschen, von Sorgen und Träumen. Vieles in der Welt von gestern erscheint leider auch heute sehr aktuell.

Und schon ist sie wieder vorbei – die stade Zeit! Das neue Jahr nimmt Fahrt auf, man glaubt fast, die Tage werden wieder länger und die Sonnenstrahlen wärmer. 

Die Planungen für unsere Aktivitäten in diesem Jahr laufen an. Wir werden auch 2025 Unterschiedliches anbieten und freuen uns sehr, wenn wir unsere Mitglieder dabei begrüßen dürfen.

Ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr wünscht die Vorstandschaft den Mitgliedern des Historischen Vereins und Umgebung!

Felix Schwaller

Anneliese Wittkowski

30. Oktober 2024

Jahresgottesdienst in St. Sebastian
und die Mangfall als Wiege unserer Geschichte

Seit vielen Jahren hat die Ökumenische Andacht in der Kirche St. Sebastian in der Mitte Bad Aiblings Tradition. Auch in diesem Jahr gestalteten Pfarrer Markus Merz und Pastoralreferentin Gabriele von Reitzenstein einen würdevollen Gottesdienst. Erfreulich viele nahmen an diesem berührenden Gedenken an diejenigen, die nicht mehr unter uns sind, teil.

„Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.“

Damit endet Psalm 126, den Pfarrer Merz an den Anfang seiner Predigt stellte. Freude und Trauer, Reichtum und Elend, Hoffnung und Enttäuschung – all das liegt oft nahe beieinander. Da ist es gerade die Zuversicht, die weitergehen lässt. Weitergehen als Verpflichtung, die oft genug schwer fällt. Aber da ist auch die Erwartung, dass sich etwas wieder zum Besseren wendet.

Vergangenes und Zukünftiges liegen da eng beieinander. In der Satzung des Vereins heißt es:

„Sein Zweck ist die Erforschung der Heimat, die Verbreitung der Heimatkunde und die Förderung der Heimatpflege für Bad Aibling und Umgebung.“

Erforschung schaut nach dem, was war. Verbreitung ist die täglich neue Aufgabe, Förderung eine Verpflichtung für die Zukunft. Bewusstmachen, Verdeutlichen, Erklären und Bewahren, da sind zentrale Aufgaben in unserer Gesellschaft, denen sich der Verein verpflichtet fühlt.

Fast alle Besucher des Gottesdienstes und weitere Gäste versammelten sich im Anschluss im Schlosskeller des Hotels Lindner. Alle Sitzgelegenheiten waren belegt, als Horst Barnikel,

ehemaliger Chef des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim, in einem sehr lebendigen und schwungvollen Vortrag die Geschichte der Mangfall vom Ursprung bis zur Mündung in den Inn erläuterte. Unterstützt wurde sein Vortrag durch eine eindrucksvolle Präsentation.




Orografisches Einzugsgebiet der Mangfall.

Da wurde sichtbar deutlich, dass der Raum Mangfalltal wesentlicher Teil unserer Historie ist.
Vielen Dank dafür!

 1. September 2024

Orte der Erinnerung – zwei besondere Museen in Wolfratshausen

Längst ist die Flößerstadt an der Isar und der Loisach zu einem „Vorort“ der Münchner geworden. Meistens weiß man auch, dass Edmund Stoiber, der ehemalige bayerische Ministerpräsident in Wolfratshausen wohnt. Nur wenigen dürften aber die Museen der Stadt bekannt sein. Zwei davon waren das Ziel der diesjährig letzten Fahrt des Historischen Vereins.

Da war zunächst der „Erinnerungsort BADEHAUS“. Als zeitgeschichtliches Museum will es erinnern, auch bewusst und wachsam machen. Den Verantwortlichen des Museums liegt es am Herzen, die Erinnerung daran zu bewahren, dass hier in Waldram, dem ehemaligen Lager Föhrenwald, jüdisches Leben bis in die 50er Jahre hinein lebendig war. Das gelingt eindringlich. Dokumentiert wird die Geschichte der Siedlung seit ihrer Gründung 1939. Schließlich wurden seit Ende der 60er Jahre die Gebäude nach und nach abgerissen. Heute erinnert nichts mehr an die Geschichte des Lagers Föhrenwald.

Als einziges Gebäude blieb das „Badehaus“ der Männer übrig, daher der Name. Besitzer und Betreiber ist der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald e.V., der das Gebäude vor dem Abriss rettete, sanierte und als Museum konzipierte. 2022 wurde das Museum mit dem Obermayer-Award für herausragendes Engagement zur Bewahrung jüdischer Geschichte und zur Bekämpfung von Vorurteilen in der heutigen Zeit ausgezeichnet.

Das Museum, das ehrenamtlich betrieben wird, will Begegnungsstätte für unterschiedliche Generationen, Nationen und Religionen sein. Nur für uns öffnete das Museum am Sonntagvormittag und wir konnten intensiv in die Geschichte des Lagers bis zu seiner Auflösung 1957 eintauchen. Eindringliche Zeugnisse jüdischen Lebens, zahlreiches Fotomaterial sowie Berichte von Zeitzeugen vermitteln ein lebendiges Bild der Nachkriegsjahre vor Ort. Die sehr fachkundige, ausführliche Führung ergänzte und verstärkte diese Eindrücke.

Nach dieser berührenden Einsicht in jüdische Schicksale nach 1945 stand ein weiterer Programmpunkt an. Bevor wir aber das neu geschaffene Museum Wolfratshausen besuchten, stärkten wir uns im nahegelegenen Biergarten des Wirtshauses Flößerei.

Gut gelaunt machten wir uns auf den Weg zum Museum gleich gegenüber. 2019 bis 2023 wurde das denkmalgeschützten Haus saniert und die Museumsräume wurden neu gestaltet.

Die Ausstellung gilt derzeit als vorbildlich für die Neugestaltung eines Heimatmuseums. Da ja unser Museum in Bad Aibling neu gestaltet wird, war der Besuch auch davon inspiriert, wie dieses Museum auf unsere Mitfahrer*innen wirkt. Genannt seien ein sehr schöner Zeitstrahl zur Geschichte von Wolfratshausen, besondere einzelne Exponate und klare Strukturen. Eine lebendige und kreative Videopräsentation zur historischen Entwicklung des Raumes wird wohl leider für uns wegen der wahrscheinlich zu hohen Kosten nicht in Frage kommen.

Kritische Überlegungen gab es zur Präsentation einzelner Themen, vor allem zu den Texten zu den Objekten. Da waren wir uns einig, dass es ruhig inhaltlich genauer sein darf.

Wichtige positive, kritische und differenzierte Eindrücke werden die Gestaltung unseres Museums begleiten.

Vielen Dank dafür!

Anneliese Wittkowski

13. Juli 2024

Anfänge unserer Verfassung und kirchliche Mystik

Ausstellung zum Verfassungskonvent von Herrenchiemsee
im Alten Schloss und Besuch der Kirche in Urschalling

„Ist die Ausstellung neu? Da war ich schon mal“, so reagierten viele auf die Ankündigung des Besuchs der neugestalteten (!) Ausstellung zum Verfassungskonvent 1948 im Alten Schloss auf Herrenchiemsee.


„Urschalling, das ist doch die kleine Kirche am Chiemsee mit den alten Fresken. Da war ich vor ungefähr 30 Jahren schon mal.“ Das war überwiegend das Echo auf den zweiten Programmpunkt.

Beides erwies sich als sehr sehenswert und eindrücklich. Zunächst zu Herrenchiemsee. Vom 10. bis 23. August 1948 erarbeiteten rund 30 Bevollmächtigte und Experten der westlichen Besatzungszonen im Auftrag der Ministerpräsidenten der elf Länder eine Verfassung für ein zukünftiges Deutschland. Grundlage ihrer Arbeit waren zum einen die Verfassung von Weimar, zum anderen die Vorgaben der westlichen Alliierten, festgelegt in den Frankfurter Dokumenten. Das neu zu schaffende Deutschland sollte eine demokratische und föderale Struktur erhalten, mit einem zentralen Grundrechtskatalog, der ein Leben in gegenseitigem Respekt, in Freiheit und Gleichheit garantierte. Die Ergebnisse des Konvents bestimmten ganz wesentlich die Arbeit des Parlamentarischen Rates in Bonn. So entstand unser Grundgesetz. Die Ausstellung zur Arbeit des Konvents befindet sich also an einem authentischen historischen Ort. Das wird besonders deutlich im sogenannten Verfassungszimmer, dem zentralen Ort der Besprechungen. 

Die Ausstellung bietet aber auch Raum für aktuelle Fragen an unsere Verfassung und den Anspruch der Demokratie. Biografische Stationen ermöglichen Einblicke in die Motive der einzelnen Akteure. Somit ist die Ausstellung nicht nur historisch interessant, sie fordert dazu auf, über die Aktualität der Herausforderungen an unsere Demokratie nachzudenken und sich die Werte unserer politischen und gesellschaftlichen Grundlagen bewusst zu machen. Aktueller denn je!

Nach einer gemütlichen Pause in der Schlosswirtschaft auf Herrenchiemsee mit einem sehr guten Mittagessen brachte uns das Schiff zurück nach Prien Stock. Von dort waren es nur wenige Minuten nach Urschalling. Dort erwartete uns die Gemeindereferentin Frau Cornelia Gaiser. Sie vermittelte uns zunächst einen Einblick in die Geschichte des kleinen Ortes. Ursprünglich stand hier wohl eine Burganlage der Falkensteiner. Eindringlich erläuterte sie uns die Details der wegen ihrer spätgotischen Ausmalung weithin bekannten Kirche, die dem Heiligen Jakobus geweiht ist. An einzelnen Stellen konnten auch noch weitere Fresken aus mittelalterlichen, romanischen und gotischen Epochen freigelegt werden. Eigentlich war es ein Glück, dass die Fresken im ab dem 17. Jahrhundert mehrfach übermalt wurden. So wurden sie geradezu konserviert. Besonders eindrücklich waren die sehr fachkundigen und gleichzeitig nachvollziehbaren und emotional anrührenden Ausführungen von Frau Gaiser, die uns „ihre“ Kirche nahe brachte. Ein eindrucksvolles Erlebnis!

Anneliese Wittkowski

Katharina Dietel